
Nachhaltigkeit
Wirtschafts- und Lebensweise, die natürliche Ressourcen schont und für kommende Generationen bewahrt.
Nachhaltigkeit ist ein Begriff, der ursprünglich aus der Forstwirtschaft des 18. Jahrhunderts stammt: Es darf nur so viel Holz geschlagen werden, wie nachwächst. Hans Carl von Carlowitz, der diesen Gedanken 1713 in seinem Werk Sylvicultura oeconomica erstmals formulierte, gilt als Vater des Nachhaltigkeitsprinzips. Heute hat sich der Begriff zu einem universellen Leitbild für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft entwickelt – mit den drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales, die nur zusammen gedacht und umgesetzt werden können. In der Landwirtschaft bedeutet Nachhaltigkeit konkret: Böden nicht auslaugen, sondern ihre Fruchtbarkeit erhalten und mehren; Wasser sparsam und sauber halten; Biodiversität fördern, nicht zerstören; faire Arbeitsbedingungen und Preise für alle Beteiligten sicherstellen; und das alles so wirtschaften, dass es nicht auf Kosten künftiger Generationen geht.
Die Vereinten Nationen haben 2015 mit den 17 Sustainable Development Goals (SDGs) einen globalen Handlungsrahmen für nachhaltige Entwicklung geschaffen, der von der Bekämpfung von Armut und Hunger über sauberes Wasser und Klimaschutz bis zu nachhaltigem Konsum und Produktion reicht. Gleich mehrere SDGs haben direkte Bezüge zur Landwirtschaft und Ernährung: SDG 2 (Kein Hunger) fordert nachhaltige Landwirtschaft, SDG 12 (Nachhaltiger Konsum und Produktion) zielt unter anderem auf die Halbierung von Lebensmittelabfällen, SDG 13 (Klimaschutz) und SDG 15 (Leben an Land) adressieren die Treibhausgas-Emissionen und den Biodiversitätsverlust durch intensive Landnutzung. Die Direktvermarktung über kurze Wege und regionale Kreisläufe zahlt auf mehrere dieser Ziele gleichzeitig ein – ein Grund, warum sie in der Nachhaltigkeitsdebatte einen so prominenten Platz einnimmt.
Ökologische Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft
Die ökologische Säule der Nachhaltigkeit steht in der öffentlichen Wahrnehmung meist im Vordergrund. In der Landwirtschaft geht es dabei um Bodengesundheit, Wasserschutz, Klimaschutz und Biodiversität. Gesunde, humusreiche Böden sind das kostbarste Kapital jedes Landwirts und die Grundlage allen Lebens an Land. Sie speichern Kohlenstoff (und sind damit natürliche Klimaschützer), filtern Wasser, beherbergen unzählige Bodenlebewesen und liefern die Nährstoffe für unsere Nahrungsmittel. Ökologische Landwirtschaft, Permakultur und regenerative Landwirtschaft teilen das Ziel, Böden nicht nur zu erhalten, sondern aktiv zu verbessern – durch Humuswirtschaft, reduzierte Bodenbearbeitung und die dauerhafte Bedeckung der Flächen mit Pflanzen oder Mulch.
Der Wasserschutz ist ein weiterer zentraler Aspekt. Die konventionelle Landwirtschaft trägt durch Nitrat- und Pestizideinträge erheblich zur Belastung von Grund- und Oberflächengewässern bei – ein Problem, das Wasserwerke Milliarden kostet und in manchen Regionen die Trinkwasserversorgung gefährdet. Nachhaltige Landwirtschaft setzt auf geschlossene Nährstoffkreisläufe, vermeidet Überdüngung und schützt Gewässerrandstreifen. Beim Klimaschutz kommt der Viehhaltung eine Schlüsselrolle zu: Methan-Emissionen aus der Rinderhaltung und Lachgas aus überdüngten Böden sind die größten landwirtschaftlichen Treibhausgasquellen. Weidehaltung auf Dauergrünland – wie von vielen Farmerino-Betrieben praktiziert – hat eine günstigere Klimabilanz als die intensive Stallmast mit importiertem Kraftfutter, zumal Grünland große Mengen Kohlenstoff im Boden bindet.
Ökonomische und soziale Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit endet nicht bei der Ökologie. Ein Landwirt, der seine Produkte unter ökologisch vorbildlichen Bedingungen erzeugt, aber davon nicht leben kann, handelt nicht nachhaltig. Ökonomische Nachhaltigkeit bedeutet faire Preise, die die tatsächlichen Produktionskosten decken und dem Landwirt ein auskömmliches Einkommen sichern. Genau hier setzt die Direktvermarktung an: Statt den Weltmarktpreisen und der Preismacht der großen Handelsketten ausgeliefert zu sein, bestimmt der Landwirt seinen Preis selbst und kommuniziert diesen direkt mit seinen Kunden. Der Farmerino Online-Hofladen unterstützt dies mit transparenter Preisgestaltung und Staffelpreisen, die größere Mengen belohnen und Planungssicherheit schaffen.
Die soziale Nachhaltigkeit fragt nach den Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft – einem Bereich, der medial wenig beleuchtet wird, obwohl rund eine Million Menschen in Deutschland in der Landwirtschaft arbeiten, davon ein erheblicher Teil als Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland. Faire Löhne, soziale Absicherung, angemessene Unterkünfte und der Schutz vor Ausbeutung sind keine Selbstverständlichkeit, wie immer wieder aufgedeckte Missstände belegen. Nachhaltige Direktvermarktung setzt auf persönliche Beziehungen und Verantwortung – ein Landwirt, der seinen Kunden am Wochenmarkt oder im Hofladen persönlich gegenübersteht, kann und will sich keine menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen leisten, ohne seine Glaubwürdigkeit und damit seine Existenzgrundlage zu verlieren.
Nachhaltigkeit im Alltag umsetzen
Nachhaltigkeit ist kein abstrakter Begriff für Politiker und Wissenschaftler, sondern eine konkrete Alltagspraxis, die jede und jeder mitgestalten kann. Jeder Einkauf ist eine Stimmabgabe für die Art von Landwirtschaft, die wir wollen: regional oder global, biologisch oder konventionell, fair oder ausbeuterisch, klimaschonend oder ressourcenraubend. Der Einkauf über den Farmerino Online-Hofladen mit Vorbestellung+Abholung oder Lieferung per Milchmann-Prinzip ist eine dieser bewussten Entscheidungen – für kurze Wege, transparente Herkunft und eine Landwirtschaft, die Böden, Wasser und Menschen achtet. Ergänzt durch die Nutzung eines Saisonkalenders, die Reduzierung von Lebensmittelabfällen und den Griff zur unverpackten Ware im Pfandsystem wird jeder Einkauf zu einem Beitrag für das große Ziel: eine enkeltaugliche Landwirtschaft und Ernährung.