Hintergrund für das Farmerino Lexikon – Begriffe rund um regionale Lebensmittel

Ökologische Landwirtschaft

Landwirtschaftliche Produktion nach den Prinzipien des ökologischen Landbaus – ohne synthetische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger.

Die ökologische Landwirtschaft – oft auch als Bio-Landbau, organische Landwirtschaft oder Ökolandbau bezeichnet – ist ein ganzheitliches System der Nahrungsmittelproduktion, das die Gesundheit von Böden, Ökosystemen und Menschen in den Mittelpunkt stellt. Anders als die konventionelle Landwirtschaft, die mit synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln auf maximale Flächenerträge optimiert, setzt der Ökolandbau auf natürliche Kreisläufe, vorbeugenden Pflanzenschutz und die Stärkung der bodeneigenen Fruchtbarkeit. Die Grundprinzipien wurden Anfang des 20. Jahrhunderts von Pionieren wie Rudolf Steiner (biologisch-dynamische Wirtschaftsweise), Albert Howard und später Hans Müller und Hans-Peter Rusch formuliert und sind heute in der EU-Öko-Verordnung 2018/848 gesetzlich verankert und durch das Bio-Siegel geschützt.

Die ökologische Landwirtschaft ruht auf vier Säulen, die der Weltdachverband IFOAM definiert hat: Gesundheit – die Gesundheit von Boden, Pflanze, Tier, Mensch und Planet als untrennbare Einheit zu bewahren und zu fördern; Ökologie – landwirtschaftliche Systeme auf der Grundlage lebendiger Ökosysteme und natürlicher Kreisläufe zu gestalten; Fairness – allen Beteiligten faire Chancen, faire Behandlung und einen gerechten Anteil an den Ressourcen zu sichern; und Sorgfalt – mit Vorsorge und Verantwortung zu handeln, um heutige und künftige Generationen sowie die Umwelt zu schützen. Diese vier Prinzipien spiegeln wider, dass ökologische Landwirtschaft mehr ist als nur der Verzicht auf Chemie – sie ist eine ethische Grundhaltung, die das Verhältnis von Mensch, Landwirtschaft und Natur neu justiert.

Zentrale Methoden des ökologischen Landbaus

Die praktische Umsetzung ökologischer Landwirtschaft erfolgt über ein ganzes Bündel von Methoden, die ineinandergreifen und sich gegenseitig verstärken. Das wichtigste Instrument ist die Fruchtfolge: der geplante jährliche Wechsel verschiedener Kulturpflanzen auf derselben Fläche über mehrere Jahre. Eine gute Fruchtfolge – etwa Blattfrucht (Kartoffel, Rübe) nach Halmfrucht (Weizen, Roggen) nach Leguminose (Klee, Erbsen, Ackerbohnen) – beugt Krankheiten vor, reguliert Unkraut und reichert den Boden durch die Stickstofffixierung der Leguminosen mit natürlichem Stickstoff an. Der Verzicht auf Kunstdünger wird dadurch möglich, dass die Natur selbst die benötigten Nährstoffe liefert.

Der vorbeugende Pflanzenschutz arbeitet ohne chemisch-synthetische Pestizide, Herbizide und Fungizide. Stattdessen kommen zum Einsatz: die Wahl resistenter Sorten (oft alte Sorten), mechanische Unkrautbekämpfung durch Hacken und Striegeln, Förderung von Nützlingen wie Marienkäfern und Florfliegen gegen Schädlinge, und im Notfall natürliche Pflanzenschutzmittel auf Basis von Schwefel, Kupfer, Gesteinsmehl oder Bacillus thuringiensis. Die Kompostierung und der Einsatz von Wirtschaftsdüngern (Mist, Gülle, Jauche) aus artgerechter Tierhaltung schließen den betrieblichen Nährstoffkreislauf und ersetzen den industriellen Kunstdünger. Zusätzlich helfen Gründüngung und Zwischenfrüchte, den Boden zu bedecken, Erosion zu verhindern und organische Substanz aufzubauen.

Ökologische Tierhaltung

Die Tierhaltung im Ökolandbau folgt dem Grundsatz der artgerechten Tierhaltung. Der Auslauf ins Freie ist Pflicht, die Besatzdichten sind je nach Situation niedriger als in der konventionellen Haltung, und das Futter stammt überwiegend vom eigenen Hof oder aus regionalem Öko-Anbau. Die prophylaktische Gabe von Antibiotika ist verboten; erkrankte Tiere werden bevorzugt mit homöopathischen oder phytotherapeutischen Mitteln behandelt – schlagen diese nicht an, dürfen auch Antibiotika eingesetzt werden, jedoch mit doppelter Wartezeit vor der Schlachtung oder Milchabgabe. Verstümmelungen wie das Kupieren von Schwänzen bei Schweinen oder das Schnabelkürzen bei Geflügel sind im Ökolandbau grundsätzlich untersagt oder stark eingeschränkt.

Ein zentrales Konzept der ökologischen Tierhaltung ist die Flächenbindung: Die Anzahl der gehaltenen Tiere muss in einem ausgewogenen Verhältnis zur bewirtschafteten Fläche stehen. Dadurch wird verhindert, dass zu viele Tiere auf zu wenig Fläche gehalten werden – ein Problem der konventionellen Massentierhaltung mit ihren Mega-Ställen und Güllebergen. Die Flächenbindung stellt sicher, dass die anfallenden Wirtschaftsdünger vom eigenen Land aufgenommen und verwertet werden können und nicht zu Grundwasserbelastungen führen.

Ökologische Landwirtschaft und Direktvermarktung

Ökologische Landwirtschaft und Direktvermarktung sind natürliche Partner. Viele Öko-Betriebe vermarkten ihre Produkte direkt über Hofläden, Wochenmärkte oder den Farmerino Online-Hofladen, weil die Kunden in diesen Vertriebskanälen besonders aufgeschlossen für Bio-Qualität sind und den höheren Preis zu würdigen wissen. Die Direktvermarktung ermöglicht es den Landwirten zudem, die besondere Qualität und die Entstehungsgeschichte ihrer Produkte persönlich zu kommunizieren – etwas, das über ein anonymes Supermarktregal nicht zu leisten ist. Über das Hofprofil im Farmerino Online-Hofladen sehen Kunden die Bewirtschaftungsweise, die Haltungsbedingungen und das Engagement des Betriebs für den ökologischen Kreislauf. Mit Vorbestellung+Abholung und Lieferung per Milchmann-Prinzip wird der Bezug ökologischer Lebensmittel so einfach wie nie – abrufbar in 36 Kategorien, von Obst und Gemüse über Milchprodukte bis zu Fleisch und Getreide.