Hintergrund für das Farmerino Lexikon – Begriffe rund um regionale Lebensmittel

Gründüngung

Anbau spezieller Pflanzen, die nicht geerntet, sondern als natürlicher Dünger in den Boden eingearbeitet werden.

Gründüngung ist eine der ältesten und wirkungsvollsten Methoden zur natürlichen Pflege und Verbesserung landwirtschaftlicher Böden. Im Kern geht es darum, Pflanzen anzubauen, die nicht auf den Teller kommen, sondern in den Boden – sie werden zum richtigen Zeitpunkt gemulcht, abgefroren oder eingearbeitet und geben ihre gesamte aufgebaute Biomasse, ihre Nährstoffe und ihr Wurzelwerk an den Boden zurück. Die Gründüngung ist ein zentraler Baustein der ökologischen Landwirtschaft und ersetzt oder reduziert den Bedarf an externen Düngemitteln auf natürliche Weise. Zusammen mit der Fruchtfolge und der Kompostierung bildet sie die Trias des biologischen Bodenfruchtbarkeits-Managements.

Die Palette der Gründüngungspflanzen ist vielfältig und wird nach dem Hauptzweck ausgewählt, den die Pflanze im jeweiligen Fruchtfolge-Glied erfüllen soll. Leguminosen wie Klee, Lupine, Luzerne, Serradella und Wicken binden mit Hilfe von Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln Luftstickstoff und reichern den Boden mit diesem wichtigsten Pflanzennährstoff an. Ein gut entwickelter Kleebestand kann pro Hektar und Jahr 150 bis 300 Kilogramm reinen Stickstoff im Boden anreichern – das entspricht der Stickstoffmenge, die sonst durch mehrere hundert Kilogramm mineralischen Dünger zugeführt werden müsste. Kreuzblütler wie Senf, Ölrettich und Raps lockern den Boden mit ihren tiefreichenden Pfahlwurzeln und mobilisieren Nährstoffe aus tieferen Bodenschichten. Gräser wie Welsches Weidelgras oder Roggen bilden dichte Wurzelteppiche und liefern große Mengen an organischer Substanz für den Humusaufbau. Phacelia, auch Bienenfreund genannt, ist eine hervorragende Bienenweide, die Blattläuse fernhält und den Boden garender macht.

Die Vorteile einer guten Gründüngung

Die Effekte der Gründüngung gehen weit über die reine Düngerwirkung hinaus und machen sie zu einem unverzichtbaren Werkzeug im ökologischen Landbau. Stickstofffixierung: Leguminosen reichern biologisch gebundenen Stickstoff an, der beim Abbau der Pflanzenreste langsam und gleichmäßig für die Folgefrucht verfügbar wird – ohne Auswaschung ins Grundwasser, wie sie bei überdosiertem Mineraldünger vorkommt. Bodenstruktur und -lockerung: Die Wurzeln der Gründüngungspflanzen durchziehen und lockern den Boden, hinterlassen nach dem Absterben Poren und Kanäle und stabilisieren durch die Ausscheidung von Wurzelexsudaten die Krümelstruktur. Erosions- und Unkrautschutz: Eine geschlossene Gründüngungsdecke schützt den Boden vor Wind- und Wassererosion, unterdrückt durch Lichtentzug und Wurzelkonkurrenz aufkeimendes Unkraut und verhindert Nährstoffauswaschung in der vegetationsfreien Zeit zwischen zwei Hauptkulturen.

Förderung des Bodenlebens: Gründüngung bietet Nahrung und Lebensraum für Regenwürmer, Bodenpilze und Bakterien – je mehr Biomasse in den Boden gelangt, desto üppiger und diverser entwickelt sich das Bodenleben, das seinerseits die Bodenfruchtbarkeit stabilisiert. Phytosanitäre Effekte: Bestimmte Gründüngungspflanzen wirken aktiv gegen Bodenschädlinge und -krankheiten. Ölrettich und Senf bekämpfen mit ihren Glucosinolaten die Rübenzystennematode, Tagetes (Studentenblume) reduziert wandernde Wurzelnematoden, und eine gute Gründüngung insgesamt unterdrückt durch Konkurrenz und Fruchtfolge-Effekte viele bodenbürtige Pathogene. All diese Vorteile kommen zusammen und machen die Gründüngung zu einem zentralen Element der Humuswirtschaft, das im Farmerino Online-Hofladen von vielen Landwirten praktiziert wird. Über das Hofprofil erfährst du, welche Anbaumethoden der Betrieb einsetzt.

Überwinternde vs. abfrierende Gründüngung

Ein wichtiges praktisches Unterscheidungsmerkmal ist die Frage, ob die Gründüngung den Winter überdauert oder abfriert. Winterharte (überwinternde) Gründüngung wie Winterroggen, Winterwicke oder Rotklee wird im Herbst gesät, treibt im Frühjahr weiter und wird erst vor der folgenden Hauptkultur eingearbeitet. Sie schützt den Boden den ganzen Winter über und kann im Frühjahr noch einen beachtlichen zweiten Biomasse-Schub liefern, muss aber rechtzeitig vor der Folgefrucht eingearbeitet werden, damit keine unerwünschte Verunkrautung oder Konkurrenz auftritt.

Abrierende Gründüngung wie Buchweizen, Phacelia oder Gelbsenf wird im Sommer oder frühen Herbst angesät und stirbt beim ersten Frost ab. Die abgestorbenen Pflanzenreste bilden eine natürliche Mulchdecke, die den Winter über den Boden schützt und im Frühjahr ohne vorherige mechanische Bearbeitung durch die Folgefrucht durchdrungen werden kann. Diese Methode spart Arbeit und passt ideal in konservierende Anbausysteme mit reduzierter Bodenbearbeitung. Beide Varianten haben ihre Berechtigung und werden von erfahrenen Landwirten je nach Betriebsausrichtung, Bodentyp und Fruchtfolge eingesetzt – ein know-how, das im Farmerino Online-Hofladen und bei der Vorbestellung+Abholung vor Ort direkt vom Landwirt erfragt werden kann.