Hintergrund für das Farmerino Lexikon – Begriffe rund um regionale Lebensmittel

Biodiversität

Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten, ihrer Lebensräume und der genetischen Variationen innerhalb einer Art.

Drei Ebenen der Biodiversität

Biodiversität umfasst die Vielfalt auf drei Ebenen: genetische Vielfalt (unterschiedliche Sorten und Rassen einer Art), Artenvielfalt (die Anzahl verschiedener Tier- und Pflanzenarten in einem Lebensraum) und Ökosystemvielfalt (die Vielzahl unterschiedlicher Lebensräume wie Wiesen, Hecken, Wälder, Gewässer). Ein Hof, der alle drei Ebenen fördert, ist widerstandsfähiger gegen Schädlinge, Krankheiten und Klimaveränderungen. Monokulturen hingegen sind anfällig und brauchen chemische Hilfsmittel – eine Spirale, die die Biodiversität weiter reduziert. Besonders wertvoll ist die genetische Vielfalt unserer Nutzpflanzen: Alte Sorten wie der Gravensteiner Apfel oder die Bamberger Hörnchen (Kartoffel) sind teilweise seit Jahrhunderten bewährt, wurden aber von wenigen Hochleistungssorten verdrängt. Heute gibt es weltweit nur noch etwa 30 Pflanzensorten, die 95% unserer Nahrung liefern – eine dramatische genetische Verarmung.

Biodiversität auf dem Bauernhof

Landwirtschaft und Biodiversität müssen kein Widerspruch sein. Blühstreifen zwischen Getreidefeldern bieten Insekten Nahrung und Nistplätze. Streuobstwiesen mit hochstämmigen Obstbäumen sind Biodiversitäts-Hotspots: bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten können auf einer einzigen Streuobstwiese leben. Hecken, Feldraine und Totholz-Ecken schaffen Korridore für Wildtiere zwischen bewirtschafteten Flächen. Extensive Weidehaltung mit Rindern, Schafen oder Ziegen erhält artenreiche Grünlandgesellschaften, die durch Düngung und häufige Mahd verloren gingen. Höfe, die direkt vermarkten, können sich die Pflege der Biodiversität leisten, weil sie durch faire Preise im Online-Hofladen nicht unter dem Preisdruck der Großabnehmer stehen. Das Hofprofil zeigt, welche Biodiversitäts-Maßnahmen jeder Betrieb umsetzt.

Biodiversität und Ernährungssicherheit

Der dramatische Rückgang der Biodiversität bedroht unsere Ernährungssicherheit direkt. Rund 75% der weltweiten Nahrungspflanzen sind auf tierische Bestäubung angewiesen. Wo Insekten fehlen, bleiben die Blüten unbestäubt und die Ernte fällt aus. Genetische Vielfalt ist unsere Versicherung gegen neue Pflanzenkrankheiten und Klimaveränderungen: Wenn eine Sorte ausfällt, springt eine andere ein. Deshalb ist jedes Gramm Saatgut einer alten Sorte, jeder Kilometer Hecke und jede Bienenweide ein Beitrag zur globalen Ernährungssicherheit. Farmerino-Landwirte, die alte Sorten pflegen und Biodiversitätsflächen bewirtschaften, erhalten mit jedem Einkauf Unterstützung für diese unverzichtbare Arbeit.