Hintergrund für das Farmerino Lexikon – Begriffe rund um regionale Lebensmittel

Freilandhaltung

Haltungsform, bei der Tiere dauerhaften Zugang zu Auslaufflächen im Freien haben.

Freilandhaltung ist die in der öffentlichen Wahrnehmung bekannteste artgerechte Haltungsform für Geflügel, insbesondere Legehennen. Anders als bei der Stallhaltung oder Bodenhaltung haben die Tiere hier tagsüber uneingeschränkten Zugang zu einer begrünten Auslauffläche – sie können scharren, picken, ein Sandbad nehmen und sich im Freien bewegen, ganz nach ihrem natürlichen Verhalten. Für viele Verbraucher ist das Freilandei der goldene Standard, erkennbar am Eiercode 1 (erste Ziffer des aufgedruckten Erzeuger-Codes). Doch Freilandhaltung bedeutet nicht, dass die Tiere den ganzen Tag auf einer grünen Wiese verbringen – auch Freilandhennen haben einen Stall, in den sie nachts zurückkehren und in dem sie ihre Nester, Sitzstangen und Futterstellen vorfinden. Der entscheidende Unterschied liegt im Außenklimazugang: Während in der Bodenhaltung (Code 2) die Hühner ausschließlich im Stall leben, öffnet sich bei der Freilandhaltung morgens die Stalltür, und die Hennen können selbst entscheiden, ob sie nach draußen gehen oder im Stall bleiben.

Die gesetzlichen Mindeststandards für die Freilandhaltung sind in der EU-Vermarktungsnorm für Eier festgelegt und in Deutschland durch die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung konkretisiert. Jedes Huhn muss mindestens 4 Quadratmeter Auslauffläche im Freien zur Verfügung haben, und die Gesamtfläche muss so gestaltet sein, dass sie von allen Tieren gleichmäßig genutzt werden kann – eine große, leere Betonfläche erfüllt den Zweck nicht. Der Auslauf muss überwiegend begrünt sein und Bäume, Sträucher oder künstliche Unterstände als Schutz vor Greifvögeln bieten. Im Stall selbst gelten dieselben Besatzdichten wie in der Bodenhaltung: maximal neun Hennen pro Quadratmeter nutzbarer Stallfläche, plus Sitzstangen, Nester und Einstreu zum Scharren.

Vorteile und Herausforderungen der Freilandhaltung

Die Vorteile liegen auf der Hand: Freilandhühner können ihre natürlichen Verhaltensweisen voll ausleben – Scharren, Picken, Futtersuche, Sandbaden, Auslauf. Studien zeigen, dass Freilandhühner seltener an Federpicken und Kannibalismus leiden als Bodenhaltungs-Hennen, weil Beschäftigung und Ablenkung im Freien das Risiko dieser Verhaltensstörungen mindern. Die Eier von Freilandhühnern haben oft eine intensivere Dotterfarbe und einen höheren Gehalt an Carotinoiden, da die Hühner Grünfutter und Insekten aufnehmen – natürliche Pigmente, die dem Ei eine gelb-orange statt blassgelber Dotterfarbe verleihen.

Die Freilandhaltung hat aber auch Herausforderungen. Der Schutz vor Beutegreifern – Füchse, Habichte, Marder – ist eine ständige Aufgabe; jeder Freilandhalter kann von Verlusten berichten. Die Hygiene im Auslauf muss überwacht werden, besonders bei feuchter Witterung, wenn Parasiten wie Würmer und Kokzidien ideale Bedingungen finden. Ein zu stark frequentierter Auslauf kann zudem zu Nährstoffeinträgen ins Grundwasser führen, wenn viele Hennen auf kleiner Fläche koten. Gute Freilandhaltung bedeutet deshalb auch gutes Auslaufmanagement: regelmäßige Wechsel der Auslaufflächen, gezielte Bepflanzung mit Sträuchern und Bäumen und eine Besatzdichte, die den Boden nicht überlastet. Im Farmerino Online-Hofladen zeigen viele Betriebe im Hofprofil Fotos ihrer Auslaufflächen und beschreiben ihre Haltungsphilosophie – so kannst du sehen, unter welchen Bedingungen deine Frühstückseier gelegt werden.

Freilandhaltung bei anderen Tierarten

Freilandhaltung betrifft nicht nur Hühner. Auch Schweine, Rinder und Schafe werden in Freilandhaltung gehalten, wobei hierfür in der Regel der Begriff Weidehaltung verwendet wird. Freilandschweinehaltung mit Hütten auf der Weide ist in Deutschland selten, erlebt aber durch die Nachfrage nach besonders tiergerecht erzeugtem Fleisch eine kleine Renaissance – in Großbritannien ist sie mit rund 40 Prozent der Sauenhaltung deutlich verbreiteter. Gänse und Enten werden häufig in Freilandhaltung gehalten, da sie als Wasservögel besonders stark auf Auslauf und Zugang zu Wasser angewiesen sind. Bei Puten ist Freilandhaltung die Ausnahme – der Großteil der deutschen Puten wird in Bodenhaltung gemästet, was Tierschützer seit Jahren kritisieren.

Entscheidend für die Wahl der Haltungsform ist das Zusammenspiel von Tierwohl, Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit. Ein reiner Freilandbetrieb braucht viel Fläche und hat höhere Kosten als ein reiner Stallbetrieb – Kosten, die über den Produktpreis refinanziert werden müssen. Wenn du im Farmerino Online-Hofladen Eier oder Fleisch per Vorbestellung+Abholung bestellst und den Aufpreis für Freilandhaltung zahlst, investierst du direkt in bessere Haltungsbedingungen. Die Lieferung per Milchmann-Prinzip bringt dir die Produkte deiner Wahl samt voller Transparenz über die Haltungsform direkt nach Hause.