Hintergrund für das Farmerino Lexikon – Begriffe rund um regionale Lebensmittel

Direktsaft

Fruchtsaft, der direkt aus der Frucht gepresst und ohne Konzentrat-Rückverdünnung abgefüllt wird.

Direktsaft wird nach dem Pressen nur pasteurisiert, nicht eingedampft und rückverdünnt wie Saft aus Konzentrat. Dadurch bleiben mehr Aromen, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe erhalten. Regionale Keltereien pressen Direktsaft oft aus Streuobst – die Äpfel und Birnen stammen von alten Hochstammbäumen mit besonders aromatischen Sorten.

Der Unterschied zwischen Direktsaft und Saft aus Konzentrat ist grundlegend und wird von vielen Verbrauchern unterschätzt. Saft aus Konzentrat durchläuft einen energieintensiven Prozess: Nach dem Pressen wird dem Saft unter Vakuum bei etwa 60–70°C das Wasser entzogen, bis ein dickflüssiges, sirupartiges Konzentrat mit 60–70 Prozent Zuckergehalt zurückbleibt. Dieses Konzentrat ist monatelang haltbar und kann kostengünstig in Tankcontainern um die Welt transportiert werden. Am Bestimmungsort – oft ein anderes Land oder ein anderer Kontinent – wird dem Konzentrat Trinkwasser wieder zugesetzt, bis die ursprüngliche Zuckerkonzentration erreicht ist. Was dabei verloren geht, ist das gesamte Aromaprofil: Flüchtige Aromastoffe verdampfen bei der Eindampfung und werden nicht wieder zugesetzt (bei manchen Herstellern werden sie mit aufgefangen und später rückgeführt – dann darf der Saft "aus Konzentrat mit rückverdünntem Aroma" heißen, aber das Originalaroma erreicht auch diese Methode nie).

Direktsaft hingegen wird nach der Pressung nur pasteurisiert – eine kurze Erhitzung, die Keime abtötet, aber das Aroma weitgehend intakt lässt. Der Saft schmeckt, wie die Frucht schmeckt, aus der er gepresst wurde. Besonders wertvoll ist Streuobst-Direktsaft: Die Äpfel und Birnen stammen von hochstämmigen, alten Bäumen der Streuobstwiese, die nie gespritzt und nie gedüngt wurden und deren Sortenvielfalt – Brettacher, Bohnapfel, Gewürzluiken, Schöner von Nordhausen – ein Geschmacksspektrum eröffnet, das mit den zwei, drei Standardsorten des Supermarkt-Apfelsafts nichts zu tun hat.

Direktsaft in der Direktvermarktung

Regionale Keltereien und Mostereien, die Direktsaft herstellen, sind eine der ältesten Formen der Direktvermarktung in Deutschland. Viele Landwirte und Streuobstwiesenbesitzer bringen ihre Äpfel und Birnen zur Gemeinschaftskelterei und erhalten im Gegenzug ihren eigenen Saft in Flaschen abgefüllt zurück – ein Teil wird selbst getrunken, der Rest im eigenen Hofladen oder über Farmerino verkauft. Im Farmerino Online-Hofladen findest du Direktsäfte in einer von 36 Kategorien. Per Postversand kommen die Saftflaschen bequem zu dir – pasteurisierter Direktsaft ist ungekühlt lagerfähig und hervorragend versandgeeignet. Viele Keltereien arbeiten mit einem Pfandsystem für die Glasflaschen. Die Verfügbarkeitstage richten sich nach den Presszeiten – die Hauptsaison für frischen Apfeldirektsaft ist September bis November, aber gelagerte Ware ist ganzjährig verfügbar.