Hintergrund für das Farmerino Lexikon – Begriffe rund um regionale Lebensmittel

Tierwohl-Label

Zertifizierung, die über die gesetzlichen Mindeststandards hinausgehende Tierhaltungsbedingungen kennzeichnet.

Tierwohl-Label sind freiwillige oder gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnungen, die dem Verbraucher signalisieren, dass die Tiere, von denen Fleisch, Milch oder Eier stammen, unter Bedingungen gehalten wurden, die über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen. In Deutschland und der EU existiert inzwischen eine Vielzahl von Labeln mit unterschiedlichen Standards, Kontrollmechanismen und Glaubwürdigkeit. Die wichtigsten sind das staatliche Tierhaltungskennzeichen, das 2024 für Schweinefleisch verpflichtend wurde, sowie private Label wie Neuland, Für Mehr Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes und die Tierwohl-Standards der großen Bio-Siegel-Verbände wie Demeter, Bioland und Naturland. Gemeinsam ist ihnen das Ziel, die artgerechte Tierhaltung für Verbraucher auf einen Blick erkennbar zu machen.

Die Existenz verschiedener Label mit unterschiedlichen Kriterien ist für Verbraucher jedoch oft verwirrend. Was bedeutet ein Stern, was bedeuten drei Sterne? Wie unterscheidet sich Neuland von Haltungsstufe 4? Und vor allem: Kann ich mich darauf verlassen, dass die versprochenen Standards auch tatsächlich eingehalten werden? Diese Fragen sind berechtigt, denn während das staatliche Tierhaltungskennzeichen auf EU-weiten gesetzlichen Kriterien beruht und staatlich überwacht wird, sind private Label auf die Glaubwürdigkeit und Kontrolldisziplin ihrer Trägerorganisationen angewiesen. Die Direktvermarktung über Farmerino bietet eine Alternative zu diesem Labeldschungel: Wer direkt beim Landwirt kauft, kann sich persönlich ein Bild von der Tierhaltung machen – das Hofprofil zeigt Fotos und Beschreibungen, die authentischer sind als jedes Label.

Das staatliche Tierhaltungskennzeichen – fünf Stufen im Überblick

Seit 2024 ist das staatliche Tierhaltungskennzeichen in Deutschland für frisches, unverarbeitetes Schweinefleisch verpflichtend, das im Inland erzeugt und an den Endverbraucher abgegeben wird. Weitere Tierarten wie Rind und Geflügel sollen folgen. Das System unterscheidet fünf Haltungsstufen, die auf den Kriterien Platzangebot, Bodenbeschaffenheit, Beschäftigungsmaterial und Außenklimazugang beruhen: Stufe 1 (Stall) erfüllt nur das gesetzliche Minimum, Stufe 2 (Stall+Platz) bietet etwas mehr Raum, Stufe 3 (Frischluftstall) ermöglicht Zugang zu Außenklima, Stufe 4 (Auslauf/Weide) entspricht der Freiland- oder Weidehaltung, und Stufe 5 (Bio) kombiniert die höchsten Platz- und Auslaufanforderungen mit ökologischer Fütterung nach der EU-Öko-Verordnung.

Die Einführung des staatlichen Labels war ein bedeutender Schritt zu mehr Transparenz auf dem Fleischmarkt, aber Kritiker bemängeln drei wesentliche Schwachstellen: Erstens gilt das Label bislang nur für Schweinefleisch und nur für unverarbeitetes Frischfleisch – Wurst und verarbeitete Produkte sind nicht erfasst. Zweitens bezieht sich das Label nur auf die Mastphase, nicht auf Ferkelaufzucht oder Transport und Schlachtung – also nur auf einen Teil des Tierlebens. Drittens entsprechen selbst Stufe 1 und 2 nicht den Empfehlungen des wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik zur artgerechten Haltung. Dennoch: Das staatliche Kennzeichen schafft einen einheitlichen, rechtlich abgesicherten Rahmen, der vorher nicht existierte, und erhöht den Druck auf den Handel, höhere Stufen anzubieten.

Private Tierwohl-Label – Neuland, Tierschutzbund und Bio-Verbände

Neben dem staatlichen Kennzeichen existieren mehrere private Tierwohl-Label, die teils deutlich strengere Kriterien anlegen. Das Neuland-Siegel, getragen von Naturland, BUND und Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft, fordert unter anderem Stroheinstreu im Liegebereich, gentechnikfreie Fütterung mit überwiegend regionalen Futtermitteln, kurze Tiertransporte von maximal vier Stunden und eine Schlachtung unter möglichst stressfreien Bedingungen. Für Mehr Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes hat ein Zwei-Stufen-System (Einstiegs- und Premiumstufe) und legt besonderen Wert auf Beschäftigungs- und Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere.

Die strengsten Tierwohlkriterien bieten die Bio-Verbände: Demeter schreibt eine noch über Bio-Stufe 5 hinausgehende Haltung mit besonders großen Auslaufflächen und Horntragen bei Rindern vor, Bioland und Naturland fordern für Mastschweine mindestens 50 Prozent mehr Platz als das staatliche Kennzeichen in Stufe 5. Bei all diesen Labeln gilt: Die Kriterien sind in den Richtlinien der Verbände detailliert dokumentiert und können online nachgelesen werden. Wer es noch genauer wissen will, kauft über Farmerino direkt beim Erzeuger und besucht den Hof zur Vorbestellung+Abholung – kein Label der Welt ersetzt den persönlichen Eindruck von sauberen Ställen, zufriedenen Tieren und einem Landwirt, der mit Überzeugung hinter seinem Tun steht.